Sternenkinder

iri01Ich habe schon beim ersten Mal vor fast 3 Jahren überlegt, ob ich mich dem Thema und seiner Verarbeitung schriftlich in diesem Blog nähere. Damals habe ich mich dagegen entschieden. Wieso? Zu persönlich, zu totgeschwiegen. Vielleicht ist letzterer Punkt jetzt der Auslöser, es doch zu tun. Und mir damit Erleichterung zu verschaffen, den Schmerz, die Trauer und die Wut zu lindern.

In den kommenden Tagen erwarten wir unser zweites Sternenkind. Viele meinen, es sei in den ersten 3 Monaten noch viel zu früh von einem „Kind“ zu sprechen. Aber allein die Entwicklung die dieses kleine Wesen schon in den ersten Wochen durchlebt, machen es für mich zu mehr als nur einem Zellhaufen.

Gestern kam der Anruf der Ärztin, dass sich meine Blutwerte verschlechtert haben. Schon zu Beginn der Schwangerschaft war schnell klar, das etwas nicht stimmt. Aber die Hoffnung stirbt zuletzt. Die ständigen Kontrollen und Untersuchungen sind nervenaufreibend, zeitraubend, verunsichernd. Nach jedem Arztbesuch saß die Ungewissheit immer drückender auf unseren Schultern. Seit gestern ist es nun Gewissheit: es wird wieder ein Sternenkind.

Nun heißt es wieder Loslassen, der Trauer und der Wut den nötigen Freiraum lassen und den Blick wieder nach vorn richten.

Mein Eintrag in diesem Blog ist für mich ein erster Schritt mit dem Thema nach draussen zu gehen, es aus der Schweigeecke zu drängen und öffentlich zu machen: ja es passiert und es passiert nicht selten. Es tut weh, es zerreisst einen innerlich, es macht einen aber auch stärker. Und es sollte kein Tabuthema sein.

In den nächsten Tagen werden wir Abschied nehmen von unserem Sternenkind. Es stehen noch Untersuchungen aus, um eine OP komme ich hoffentlich herum. Auch wenn der Verlust frisch ist und schmerzt, die Hoffnung stirbt zuletzt. Und wenn wir jetzt gen Himmel schauen, sind es zwei Sterne die über uns Wachen.

Langsamer Abschied

treesofthewood-0064Ich habe eine Weile überlegt, ob ich das Blog einstampfe, es einfach stehen lasse und hin und wieder drin blättere, oder die Arbeit – und nicht anderes ist Bloggen – wieder aufnehme und aktiver damit arbeite. Mit Hilfe von etwas Motivation durch einen mir lieb gewonnen Menschen habe ich mich dann für die letzte Variante entschieden. Vielleicht aber auch, weil es hilft verschiedene Themen auch aus einem anderen Blickwinkel betrachten zu können, mir hin und wieder eine Gedächtnisstütze ist und die ein oder andere schöne Erinnerung hervorbringt.
Aktuell hilft es wohl sehr stark beim Verarbeiten und Erkennen verschiedener Ereignisse.

Vor etwas mehr als einer Woche nun haben wir den 80. Geburtstag der Oma gefeiert. Meiner Oma, der einzigen mir bekannten mütterlicherseits. 80 Jahre zurückblicken auf ein Leben in dem viel passiert ist, in dem viele Geschwister gekommen und bereits gegangen sind und das seine Spuren hinterlassen hat. Äusserlich, ja. Aber auch innerlich.

Niemand habe ihr zum Geburtstag gratuliert, mahnt sie schon Wochen vor dem eigentlichen Termin. Alle hätten sie vergessen. Kein Anruf, keine Karten, kein Besuch. Niemand war da, vergessen habe man sie. „Aber du hast doch erst noch und dann feiern wir alle mit dir!“ Nein, das kann nicht sein, alle haben sie vergessen. So geht es, wochenlang.

Angefangen hat es schon viel früher, richtig aufgefallen ist es erst uns jetzt. Dieses leise, langsame Abschiednehmen der Erinnerungen aus jüngster Zeit, das Vergessen, die eigene Familie wie Fremde zu betrachten, aus der Vergangenheit berichten, als sei erst gestern geschehen, diese hilflosen Augen wenn die Worte fehlen die sonst täglich benutzt wurden.

Verlaufen, gesucht werden müssen, Sorgen, Panik, das Nachthemd 10 Mal erneut anziehen, weil es immer vermeintlich falsch herum ist. Nichts ist mehr wie es war. Dabei sind wir erst am Anfang des Vergessens.

Es wird weitergehen, es wird schlimmer werden und es wird Nerven kosten; es wird uns viel abverlangen. Uns allen. Als Familie, Angehörige die Abschied nehmen auf lange Zeit. Ein langsamer Abschied. Erinnerungen die verloren gehen, an Gesichter, Worte, die eigene Vergangenheit, das eigene Leben. Wir werden Fremde sein auf lange Sicht.
Der Opa möchte sie nicht weggeben, auch nicht für kurze Zeit. Hat Angst, dass er sie nicht wiederbekommt. Nach über 60 Jahren Ehe sie einfach so weggeben. Nein, das tut er nicht. Auch wenn es anstrengend ist. Jeden Tag aufs Neue. An die Nerven geht, ihn an den Rand des Möglichen treibt, ihn bis zur Erschöpfung zwingt.

Es schmerzt diesen Prozess mitzuerleben. Ein Prozess der aus einem erwachsenen Menschen wieder ein Kind macht. Ein Prozess der das Vergessen fördert, der geliebte Menschen zu Fremden macht, der die einfachsten Dinge vergessen lässt.

Wir haben gefeiert, ihren 80. Geburtstag. Alle waren sie da. Kinder, Enkel, Urenkel, Geschwister. In ihrer Erinnerung jedoch haben wir sie vergessen, haben nicht an sie gedacht. Und wir? Wir haben leise Abschied genommen, jeder für sich, jeder auf seine Weise.
Eine schmerzhafte Weise.

Ein Stück Ruhrgebiet gewinnen

gewinneLange war nichts los hier, aber ich möchte eine kleine Verlosung auf #Ruhrtoure zum Anlass nehmen, hier mal wieder etwas zu posten. Und das nicht nur, weil ich gern gewinnen möchte ;-)

 

Der Björn Manfred Kraus verlost nämlich ein ganz tolles Buch mit vielen wundervollen Bildern und da lohnt das Mitmachen einfach. Also bin ich einfach mal dabei und sage:

Ich möchte auf Ruhrtoure ein Exemplar von “Schön ist es auch anderswo… Fotografien vom Ruhrgebiet 1989-99″ gewinnen: http://ruhrtoure.de/2014/04/07/gewinnspiel-schon-ist-es-auch-anderswo-fotografien-vom-ruhrgebiet-1989-99/

Vielleicht habt auch ihr ja Gefallen gefunden, dann nichts wie hin und mitgemacht! Viel Erfolg allen die teilnehmen!

Meterhoch

07txt2unexpectedboxMeterhoch Staub hier. Kein Durchblick mehr. Aber auch keine Schuldgefühle nichts getan zu haben. Ganz im Gegenteil. Bewusstes Nichts-Tun. Kein Zwang. Freiwillige Entscheidungen.

 

Das tut, ob man es glauben mag oder nicht, wirklich sehr sehr gut. Tun und lassen was man möchte. Natürlich in einem vorgegebenen Rahmen. Aber auch hier steckt jeder sich seine Grenzen doch selbst. Mehr oder weniger arbeiten, mehr oder weniger Freizeit, mehr oder weniger, von allem ein bisschen. Mut zur Faulheit. Mut zur Lücke.

Meterhohe Lücken.